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Vorerst einige Artikel aus unserer Fachbereichszeitung...
Maltes Chaos 1 Maltes Chaos 2 Maltes Chaos 3
Naturwissenschaft und Religion sind wie Teufel und Weihwasser; sofern dazwischen ein Spagat versucht wird, schwindet der Boden (zur Realität?) unter den Füßen. Wirklich?
Vielleicht ist diese Anschauung schon gar nicht mehr aktuell, auch wenn oftmals noch in rational-positivistisches naturwissenschaftliches Denken und den mythischen (oder magischen) Glauben trennend eingeteilt wird. So hat Albert Einstein sich folgendermaßen ausgedrückt: "Das tiefste und erhabenste Gefühl, dessen wir fähig sind, ist das Erlebnis des Mystischen. Aus ihm keimt alle wahre Wissenschaft. Wem dieses Gefühl fremd ist, wer sich nicht mehr wundern und in Ehrfurcht verlieren kann, der ist bereits tot. Das Wissen darum, dass das Unerforschliche wirklich existiert und dass es sich als höchste Wahrheit und strahlendste Schönheit offenbart, wovon wir nur eine dumpfe Ahnung haben können - dieses Wissen und diese Ahnung sind der Kern aller wahren Religiosität. In diesem Sinne, und in diesem allein, zähle ich mich zu den echt religiösen Menschen."
Es scheint also ein Gemeinsames zu geben, von Leibniz als Philosophia perennis (Ewige Philosophie) bezeichnet und zu der vielleicht die Worte von Louis Pasteur (erster Mikrobiologe) passen, der schrieb: "Glücklich ist der, der Gott in sich trägt und ihm gehorcht. Die Ideale von Kunst und Wissenschaft werden durch Reflexionen aus dem Unendlichen erhellt."
Ist also Religion in gewisser Weise interdisziplinär zu betrachten und zumindest als transwissenschaftlich anzusehen? Das hört sich für mich so an (und liest sich für Dich vielleicht auch so), als ob das eine ganz wichtige Disziplin für Umweltwissenschaftsstudierende, -dozierende, -forschende und dergleichen ist, ein Gesichtspunkt, der sich unserem Blickwinkel nicht entziehen sollte. Immerhin müssen wir uns im Fachbereich Umweltwissenschaften nun der Einrichtung von Bachelor- und Masterstudiengängen widmen und stecken auch in der Inerdisziplinaritätsdiskussion - sind da nicht auch neue Ideen angebracht oder führen sie zu Zusatzdebatten ohne brauchbares Ergebnis?
Gesetzt den Fall, dass wir Umweltwissenschaftlerinnen und Umweltwissenschaftler mit unserem Wissen das Fortbestehen der Menschheit durch den Erhalt unserer Lebensgrundlagen erreichen, so wird die Menschheit doch nicht ewig auf der Erde leben können (wir wissen ja, was mit der Sonne in etwa fünf Milliarden Jahren voraussichtlich passiert) und so wird sich früher oder später die Frage um das "Wie weiter?" stellen. Wir stehen bereits derzeit vor ethischen Fragen und diese werden mehr werden, möglicherweise die Antworten erleichtert durch eine weitere Evolution unseres Ichs. Nun ist die ferne Zukunft nicht Thema für Umweltwissenschaften-Studierende und so will ich den Blick nicht auf den Exodus vom blauen Planeten wenden, sondern auf aktuelle Gedanken lenken, die Wissenschaft und Religion näher aneinanderrücken. Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die unter rein naturwissenschaftlichen Aspekten kaum erklärbar sind, Bereiche unseres Lebens, die möglicherweise einer neuartigen Perspektive bedürfen.
Nun bin ich allerdings Journalist (vor meinem Studium war ich mehrere Jahre für Zeitungen tätig gewesen, habe volontiert, Praktika absolviert, etc.) und war zu Beginn meines Studiums hier in Lüneburg noch überzeugter Atheist. In meiner Zeit hier in Lüneburg wurde ich das, was andere als Skeptiker bezeichnen, ich sehe mich als "Lüneburger Heide", da ich mich mit dem Christentum nicht so zurecht finde. Doch sowohl journalistisch als auch wissenschaftlich habe ich bei meiner Recherche zu diesem Thema einen gewissen Anspruch, will mich nicht ausschließlich zweifelhafter Quellen bedienen und halte es dennoch für notwendig, den Blick der Wissenschaft - wo nötig - zu weiten. Es ist vor allen Dingen meine Recherche zu meinem Buchprojekt, die mich dazu trieb, mich mit diesem Thema zu beschäftigen, doch sehe ich mehr und mehr, dass Thema Religion gesellschaftlich zu relevant ist, als es gänzlich aus unseren Betrachtungen auszuklammern: Wenn wir nachhaltig und zukunftgerichtet arbeiten wollen, müssen wir uns unweigerlich mit dem Wesen des Menschen beschäftigen, um ihm angemessen zu planen, Strategien zu entwickeln und dergleichen, ohne zu vergessen, dass auch die Menschen sich allmählich weiterentwickeln.
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Was Spiritualität mit Umweltwissenschaften zu tun hat, und aus welchem Grund ein Einen von Naturwissenschaft und Religion angebracht zu sein scheint (zugunsten unserer evolutionären Weiterentwicklung), mag für viele eine ungeklärte Frage darstellen - hinsichtlich einer "Versöhnung von Wissen und Weisheit" (vgl. Wilber, 1998) will ich in dieser Rubrik versuchen, unterschiedliche Perspektiven unter einer neuen, allumfassenderen zusammenzuführen und Gedankenanstöße zu liefern, aus denen sich eine Weiterentwicklung unseres Studienbereiches ableiten ließe und grundlegende Beantwortungsmöglichkeiten bieten.
Notwendig für diese philosophischen Betrachtungen ist eine ernsthafte Herangehensweise, wobei die wissenschaftlich-empirischen Arbeitsmethoden eine unverzichtbare Basis, aber zugleich nicht ausschließliches Kriterium bei Datenerhebung und Quellenanalyse sein dürfen. Generell messe ich Quellenangaben einen großen Wert zu, weil mit ihnen ein Zusammenhang der Information geliefert werden kann und eine Abschätzung ihrer Seriosität; dennoch werde ich mitunter darauf verzichten, um das Gewirr des Gedankenlabyrinthes nicht unnötig zu erweitern, da die Komplexität des Themas die Orientierung in "Maltes Chaos" ohnehin erschwert. Mein gedankliches Chaos und die von mir so empfundene Seriosität der ihm zugrunde liegenden Quellen stelle ich gerne zur Schau, weil ich dadurch eine Bereicherung unserer Fakultät erhoffe (in dem klares Selbstbild und damit deutlich zu Tage tretende Lücken im Studium in anstehende, auf die Studiumsentwicklung bezogene Prozesse Eingang finden können) - wobei ich als SchriftSteller mitunter an dieser Tätigkeit soviel Freude habe, dass mein lockeres Schreiben dem Anspruch an den Inhalt nicht gerecht wird. Um dem Eindruck des Schabernacks zu entgehen, will ich daher Gesprächsbereitschaft, Einblick in meine Quellenliste und vor allen Dingen immer wieder Hinweise auf Eingänge in das Labyrinth bieten, um meinem (oder einem ähnlichen) Weg folgen und ähnliche Blickwinkel selbst entdecken zu können, wofür ich in erster Linie Buchbesprechungen nutzen will. Anders als normale journalistische Berichterstattung wird bei derartigem Philosophiejournalismus zu häufig die Leserschaft an der falschen Stelle "abgeholt", weil entweder zu viel oder zu wenig Grundkenntnis vorausgesetzt wird. Diese Rubrik soll eine Grundbasis schaffen und/oder festigen, von der aus dann Gesprächkreise, Arbeitsgruppen, Selbststudien und dererlei mehr ausgehen können, damit der monozentristische Aspekt meiner individuellen Perspektive nicht zu maßgeblich beeinflussend auf zukünftige Entwicklungen wirkt. Dementsprechend wäre eine generelle Auflistung sämtlicher genutzter Quellen (sofern überhaupt möglich) ein zusätzliches Festzementieren einer einzelnen Herangehensweise, die nicht nur den vielschichtigen Herangehensmöglichkeiten nicht gerecht werden würde, sondern auch eine Richtigkeit dieses Weges voraussetzen könnte, um die vermeintlichen Erkenntnisse zu verifizieren. Um mir nicht selbst ein Bein zu stellen und weil es bestimmten grundlegenden Theorien widerspricht, werde ich also weitestgehend auf Quellenzitate verzichten (und mich im Gegenzug vor allem auf Überlegungen und Modelle aus den rezensierten Büchern beschränken) und lediglich in Ausnahmefällen eine tiefergehende Berücksichtigung anderer Daten mit Quellhinweisen belegen. Sofern allerdings Fragen dazu auftauchen, bin ich gerne bereit, eine - leider meist ausschweifendere - Quellangabe zu liefern, was mir in der allgemeinen Artikelform einseitiger Kommunikation aber weder hilfreich noch erforderlich erscheint.
Weshalb gerade jetzt um derartige Angelegenheiten kümmern, wo wir mit Stiftungsuniversität und neuem Niedersächsischen Hochschulgesetz, der Fusionierung von Uni und Fachhochschule, der Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen genug um die Ohren haben, ganz abgesehen davon, dass unser Fachbereich einziger unter den vieren der Uni ist, wo es noch immer keine Benennung eines Studiendekans gibt? Gerade um hier einige Grundsätze wieder parat und ganz oben auf unserer Agenda haben, um vielleicht wieder neu den Ursprüngen ins Antlitz zu blicken und aus dem "Woher?" auf das "Wohin?" schließen können, gerade deshalb halte ich die Introspektion für eine sinnvolle Grundlage für all diese Prozesse, als Überprüfung unseres Grundfundaments. Sofern unser Studium der Umweltwissenschaften einen interdisziplinären Ansatz hat, in dem integrativ die unterschiedlichen Wissenschaftsbereiche durch transzendentes Arbeiten miteinander verknüpft werden, um daraus synergetischen Nutzen zu ziehen, so ist eine derartige immer wiederkehrende Erneuerung unserer "Selbsterkenntnis" unabdingbar.
Also nun ein kurzer Rückblick, auch wenn es mir ja eigentlich um den Blick nach vorne geht - doch wohlmöglich ist es uns durch so eine Selbstbesinnung besser möglich, unsere zukünftigen Wege klarer finden zu können. Außerdem ist es ja Zeitverschwendung, das Rad neu zu erfinden und die Suche nach Vordenkern (um aus ihren Schlüssen ein umfassenderes Gesamtbild zu erhalten und dieses, wo möglich, zu verbessern) nicht ein Mangel eigener Kompetenz, sondern schlicht Arbeitserleichterung, um nicht bei Null anzufangen. Nicht nur, dass wir auch aus den Fehlern anderer lernen können, sondern - bezüglich einer universelleren Sichtweise - gibt es aus den verschiedensten Theorien, Richtungen und Weltbildern möglicherweise überall etwas Richtiges/Wahres herauszupicken, auch wenn diese sich in ihrer Gesamtheit als unhaltbar erwiesen haben (oder, wie Ken Wilber es ausdrückte: "Niemand ist schlau genug, sich immer zu irren").
Die Umweltwissenschaften sollen uns nach meinem Verständnis dazu befähigen (in einzelnen Teilbereichen) den Fortbestand der Menschheit und ihrer Lebensgrundlagen zu erhalten und nachhaltig zu schützen (was einer "Rettung der Welt" oder besser, des Universums/des ALLs nahe kommt). Nun ist meines Erachtens mit diesen "skills to save mankind/world/universe", die ja nicht zufällig an der Universität gelehrt werden, schon die Kernaussage enthalten, dass es eine Bedrohung dessen gibt oder es bereits jetzt an etwas krankt. Krankheit soll geheilt werden, sofern der/die/das Erkrankte gemocht oder gar geliebt wird oder (wie auch immer) mit Sympathieempfindungen belegt oder anderweitig als positiv wahrgenommen wird. Also lieben (wem das zu gefühlsduselig ist, kann es mit einem "Sich-verbunden-fühlen" ersetzen) wir wohlmöglich auch unsere Umwelt, oder die Natur, wie wir sie (oder ihr Idealbild) kennen gelernt haben - und wollen sie deshalb schützen und heilen. Nicht ohne Grund wird unter dem Motto "Nur was wir kennen, können wir auch schützen" im Deutschen Jugendbund für Naturbeobachtung seit über einem halben Jahrhundert die Natur genauer unter die Lupe genommen, um die erste Barriere (Entfremdung von der Natur) abzubauen durch Naturerlebnis. Es geht also - unter anderem, speziell im Bereich der Umweltkommunikation - um eine Annäherung an Natur und Umwelt (bei allen Menschen), darum, - weltweit und allumfassend sowie nachhaltig - aus dem Kennen zum (Lieben und) Schützen überzugehen. Sind wir (und, falls ja, wie sind wir) dazu der Lage?
"Ein Mann, der sich selbst kennt, kennt jeden. Ein Mann der sich selbst liebt, liebt jeden." - so wird es zumindest von Yogi Bhajan kurz zusammengefasst. Und vielleicht ist die Lehre des Ayurveda, der alten indischen Lebensphilosophie, zwar ein bisschen weit hergeholt in eine Lüneburger Fachbereichszeitschrift, nicht aber der dazugehörige "Männertee", eines von Yogi Bahjan ayurvedischen Kräuterrezepten bei "Spar am Sande" mit Bio-Siegel nach EG-Öko-Verordnung. Selbstredend gibt's in der Produktreihe auch einen Frauentee, aber soviel sollten wir uns ja schon unserer selbst besonnen haben, dass wir uns über unser Geschlecht im Klaren sind und darin nicht generell trennende Unterschiede sehen (auch Männer haben ihre weibliche Seite und Frauen männliche Aspekte in ihrem Verhalten, Stichwort "gender"). Und dass der Selbstkenntnis-Spruch nicht bloß für Männer gilt, sondern wieder symbolhaft für anachronistische Deutungen der semantischen Syntax (im patriarchalen Sinne) ist, steht meines Erachtens außer Frage - diese Bewusstseinsstufe dürften ja wohl alle Lesenden erreicht haben.
Wenn es um Selbsterkenntnis und Introspektion geht, kann uns empirische Wissenschaft nicht weiterhelfen - so wenig, wie sich ein Bach auf die chemische Zusammensetzung seines Inhalts (großteils H2O), physikalische Eigenschaften (Fließgeschwindigkeit, etc.) und biologische Komponenten (bspw. Ökosystemverbund) reduzieren lässt, denn für Empfindungen wäre bei dieser Betrachtungsweise kein Platz. Wenn er aber auch Erinnerung an den ersten Kuss ist, welcher hier genossen wurde, oder er kühles Nass nach Hitze- und Durstperiode darstellt, so ist dies stets eine individuelle und situative Bedeutung, die nicht eindeutig belegbar ist (sofern wir uns dieser nicht bewusst sind).
Mitunter ist es notwendig, eine marode Hütte gänzlich einzureißen, um eine bessere errichten zu können - und so entschuldige ich mich für mein Rütteln an Grundfesten, doch es ist durchaus in konstruktivem Sinne gedacht. So ist beispielsweise in unseren sozialwissenschaftlichen Bereichen kaum Introspektives zu finden, sondern vielmehr so etwas wie die soziale Handlungstheorie. Nun ist es aber so, dass die soziale Handlungstheorie durch die Aufgabe, eine intersubjektiv geteilte soziale Ordnung zu erklären, von den Prämissen der Bewusstseinsphilosophie weggeführt wird (vgl. Habermas, 1982). Daran ist erst mal nichts verkehrt, doch ist es nach meiner Ansicht so, dass wir die Medaille als ganzes und nicht nur eine ihrer Seiten betrachten (noch besser ist es in meinen Augen, auch den Medaillenträger, den Wettbewerb davor und den Verleihenden und was ihn zu seiner Entscheidung bewog, inwiefern es vergleichbare Wettbewerbe davor gab, etc.). Das ist einer der Gründe, weshalb ich jedem eine Auseinandersetzung mit Ken Wilber empfehle, der als "Einstein der Bewusstseinsforschung" gilt, auch wenn er durch seine Bemühungen um eine Versöhnung von Naturwissenschaft und Religion in beiden dieser Lager eifrige Kritiker gefunden hat (was ein weiteres Argument für die Kenntnis seiner Gedanken ist; und wer Wilber umfassend widerlegt, kann dann seinen Platz einnehmen). Nach meiner Ansicht ist es weniger die Dominanz dieser externen Faktoren wie die soziale Handlungstheorie, sondern vielmehr die fehlende Akzeptanz der inneren, die zu einem unheilvollen Ungleichgewicht führen - einfach aus dem Grund, dass durch die neutrale Wissenschaft die Bedürfnisse des Menschen nicht gänzlich gesättigt werden können und es an integraler Ganzheit fehlt. Und das führt zu einer Sinnleere, zur Suche nach Wert, Tiefe, Zuwendung, Würde und Bedeutsamkeit im alltäglichen Dasein des Menschen. Dies alles finden Milliarden von Homo sapiens in der Religion, die roten Faden durch die Existenz bietet, Richtlinien zu dem, was gut ist und was falsch, und gar "einen Kontakt oder eine Kommunion mit einem höchsten Seinsgrund zu ermöglichen" - kurz gefasst bietet sie, wie sie meint, echte Weisheit. Das kann Wissenschaft nicht bieten, denn auch wenn es in diesem Bereich um die naturwissenschaftliche Wahrheit geht, so ist diese doch wertfrei, weil Neutron, DNA, Sonnensystem und all diese Dinge weder gut noch schlecht sind - sie sind einfach. Sinn und Wahrheit, wir brauchen beides. Um aber beides auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen, ist es erst einmal wichtig, jeweils das eine unter einen Hut zu bringen. Das gelingt Wilber auch bei dem auf den ersten Blick uneinheitlichen Bereich Religion (siehe Kasten), dem sich nach dem Enthusiasmus für die sachlichen Naturwissenschaften wieder mehr Menschen zuwenden. Auch wenn ehemalige Sieger der Glaubenskriege wie das Christentum (auch durch das dauerhafte Negieren wissenschaftlichen Forschungserfolges) einen Anhängerschwund seit Beginn der Moderne zu verzeichnen haben, so zeigen schon flüchtige Blicke in gut sortierte Buchhandlungen, was für ein breites Angebot im Esoterikbereich von zahlreichen Lesenden wahrgenommen werden will. Auch wenn kaum die Hälfte der Jugendlichen an Gott zu glauben angeben, äußern 64 Prozent von ihnen in der selben Umfrage Vertrauen in Horoskope. Feng Shui und Hexenmagie, östliche Lehren und mittelalterliche Mythologien - weil heute die GesellschaftsReligion an Bedeutung verloren hat, ist die Offenheit für den eigenen Glauben da. Damit lässt sich auch gut verdienen, nicht unbedingt in Form von Ablassbriefen, aber dafür mit teuren Büchern und kostspieligen Seminaren (denn was nichts kostet, ist nichts wert). Über Religion und Glauben lässt sich also trefflich streiten, vor allem, wenn das als "esoterisch" Bezeichnete sich als exoterisch entpuppt. Doch neben all den vielen Scharlatanen gibt es auch immer wieder fähige Menschen, die weiter sind als die Menschheit im Durchschnitt, so wie es schon immer jene Visionäre gab, die auf höheren Ebenen sehen konnten als die Allgemeinheit (wahre Schamanen und darüber hinaus, vgl. Wilber, 1981, "Halbzeit der Evolution").
Wenden wir nun also unsere Betrachtung der Wissenschaft zu, wie sie zu Beginn der Moderne immer wieder in Konflikt mit der Kirche geriet und sich schließlich durchzusetzen verstand mit ihrer empirischen Wahrheit. Auch wenn sich in der Philosophia perennis (vgl. Maltes Chaos 1, Uwie 3rd 2003) noch in den Ebenen der Großen Kette des Seins wiederfinden lässt, so begann mit der Moderne die "Verflachung" auf die Auffassung, die Welt bestünde ausschließlich aus Materie (oder Materie und Energie). Die Moderne brachte Positives wie Negatives, vor allem kennzeichnet sie die Differenzierung der kulturellen Wertsphären in Form der Dreiteilung in Kunst, Ethik und Wissenschaft (so Max Weber und Jürgen Habermas nach Wilber), doch aus der Differenzierung wurde Dissoziierung - und Wissenschaft wurde Szientismus.
Dieser Zusammenbruch der Ebenen und die arrogante Dominanz von Wissenschaft über die anderen beiden Bereiche führte zu einer generellen Monopolisierung der Wahrheit bei der Wissenschaft, für Emotionen und alles andere Innere gibt es wissenschaftliche Erklärungen - das Unerklärliche ist nur noch nicht genügend erforscht.
"Statt also nach introspektiver Erkenntnis zu streben - eine schwierige und mühsame Angelegenheit, die doch so oft zu keiner letzten Gewissheit führt -, erforschen wir doch lieber das Gehirn und seine empirischen Prozesse. Suchen wir nicht die Heiterkeit, sondern den Dopaminspiegel. Befassen wir uns nicht mit Depression, sondern mit dem Serotonin an den Synapsen. Reden wir nicht von Angst, sondern von den empirischen Mengen Acetylcholin im Hypothalamus", karikiert Ken Wilber diese Sichtweise, für die eine religiöse Erfahrung generell keine Offenbarung spiritueller Wahrheiten, sondern lediglich eine massive Dopamin-Ausschüttung im Gehirn war. Nun ist es allerdings so, dass ich die gesamte Dekonstruktion des "Mythos des Gegebenen" (also das Hinwegsetzen über die Grenzen des bloßen Grobstofflichen) durch das Heranführen wissenschaftlicher Ansätze und die Unterscheidung von Empirie im engeren und weiteren Sinne in Wilbers "Naturwissenschaft und Religion" derart bestechend finde, dass hier eine kurze Zusammenfassung dem Gesamten nicht gerecht würde. In diesem Buch zeigt Wilber, dass Religion wissenschaftliche Aspekte hat und Wissenschaft religiöse (und findet somit plausible gemeinsame Nenner).
Wenn wir uns die Dreiteilung der Moderne aneignen und uns nach der Differenzierung vor der Dissoziierung hüten, haben wir einen wichtigen Schritt getan, denn während die objektive Wissenschaft die Dinge (und ihre Gründe) zu erkennen sucht und damit eine monologische Es-Perspektive diesen gegenüber einnimmt, so hat das intersubjektive Ethische eine dialogische Wir-Perspektive, wogegen der (subjektive) Bereich Kunst/Ästhetik die subjektive Ich-Perspektive besitzt. Wie in den Abbildungen zu sehen ist, gibt es für ein und das selbe Modell verschiedene Möglichkeiten, dieses zu füllen, so dass wir auch hieran die Ähnlichkeit von Naturwissenschaft und Religion ausmachen können (im spirituellen Metier wird die Perspektiven-Dreiteilung der Moderne als "Auge des Fleisches", "Auge des Geistes" und "Auge der Kontemplation" nominiert). Sofern die Naturwissenschaft versucht, alles unter objektiven Gesichtspunkten mit dem Auge des Fleisches zu betrachten (weil alles einen konkreten Ort habe, auf den man direkt oder im übertragenen Sinne den Finger legen könne) und aus dieser Perspektive zu erklären, wird sie scheitern, weil vieles nicht diesen "einfachen Ort" hat - wie ist das Schöne und das Böse greifbar, wo finden wir Missgunst und Vision, wie legen wir den Finger auf Liebe, Moral oder Gerechtigkeit? "Und natürlich kann man den Finger auch nicht auf Gott legen. Gott lässt sich nicht befingern, und deshalb gibt es in der Wissenschaft und ihrem Glauben an einen einfachen Ort zufolge auch keinen Gott", schließt Wilber. Einmal Gott ausgeklammert bleiben uns dennoch genügend Fragen, ohne gleich offensichtlich spirituelle Wege zu betreten: Ist Liebe nur ein Zusammenspiel von Reizen, Hormonausschüttungen und dergleichen? "Es gibt keine Liebe auf dieser Welt/Es ist ein Traum, der uns gefällt/Es gibt nur Lüge, Gier und Hass/Und viele Tränen, dick und nass", singt die Musikgruppe "Mutabor" dramatisierend - wenngleich von uns falsifizierbar, weil es sich ja um einen gemeinsamen Emotionsbereich handelt und dieser nicht gänzlich wegargumentiert wird durch alleinige Existenz von hirnprozessimmanenten Botenstoffkonfigurationen. Und wenn es sowohl Liebe (innerlich), als auch Hormonschwankungen und dergleichen gibt (äußerlich) - lässt sich daraus nicht logisch ableiten, dass es neben allen Naturgesetzmäßigkeiten auch einen Gott geben kann (und die Naturwissenschaft das Spirituelle nicht automatisch negieren darf)?
Nun ist die Naturwissenschaft ja auch mit sich selbst nicht immer im Reinen - war der Tyrannosaurus rex ein Räuber oder Aasfresser, hat die Mondlandung wirklich stattgefunden oder war sie gigantisch inszeniertes Schauspiel (was Millionen Menschen glauben und sich erst durch Mondsattelitenfotos eine japanischen Sonde in zwei Jahren widerlegen ließe - zumindest nach eigentlichem Anspruch wissenschaftlicher Erkenntnis)? Und so ist es vielleicht doch mehr das Wundernkönnen, was in der Naturwissenschaft den Drang zu noch mehr Erkenntnis, zum Herannähern an das Unerforschliche elementar dem Spirituellen nahe bringt (vgl. Einsteins Bekenntnis zu wahrer Religiosität, Maltes Chaos 1, Uwie 3rd 2003). Dennoch ist das Wundern über Fremdes vielleicht einfacher als das Wundern über sich selbst, denn mir erscheint es, als gäbe es wesentlich mehr erforschende Annäherung an das Andere als an das Eigene. Möglicherweise ist Introspektion auch deshalb ein schwererer Schritt, weil es auch um Ehrlichkeit zu sich selbst geht - andere(s) sachlich zu beurteilen ist mitunter einfacher, als der eigenen Wahrheit ins Gesicht zu sehen.
Die menschliche Entwicklung, auch hinsichtlich des Bewusstseins, sollte uns Umweltwissenschaften-Erforschende aber besonders interessieren, denn ist nicht unsere Spezies jene, die die tiefgreifendsten Veränderungen (auf unserem Planeten und darüber hinaus) verursacht? Und gerade diese Verursachenden sollten wir ebenfalls unter die Lupe nehmen, neben allen irdischen und überirdischen Kräften, die wir zu erforschen trachten. Und wäre es nicht wunderbar, wenn wir durch dieses Forschen neue Ansätze entdeckten, die uns in unserem Trachten nach einer nachhaltig guten Gegenwart, die endlos ist?
Maltes Chaos 1 Maltes Chaos 2 Maltes Chaos 3
Diesmal will ich ein Bisschen Rupert Sheldrake und Häppchen Ken Wilber mit dem Schuss einer Veröffentlichung der UNEP (United Nations Environment Programme) zum Thema "Psychospiritual Effects of Historical Biodiversity Loss in Celtic Culture, and its Contemporary Geopoetic Restoration", welche ich bei meiner Recherche für meinen historischen Roman fand, wild durcheinander zu einem schmackhaften Cocktail mixen. Wem's geschmeckt (oder eben gerade nicht gemundet) hat, vielen Dank für die Beteiligung an dem interaktiven Ende dieses Artikels (und ggf. dieser Serie).
Zunächst möchte ich auf Alastair McIntosh kommen, der in oben genannter UNEP-Publikation auf einen merkwürdigen möglichen Zusammenhang zu sprechen kommt: "In 1743 the last wild wolf in Scotland was shot by a hunter named McQueen on the territory of my own tribal clan, Mackintosh, in the upper reaches of the Findhorn river. Three years later, and in the same region just South of Inverness, the last battle to be fought on mainland British soil, Culloden, put an end to the old culture of the Scottish Highlands in an act of internal colonial conquest by the consolidating British state. This marked the onset of the 'Highland Clearances'." Im Sinne von "deep ecology" und "psychohistory" gibt es Verknüpfungen, die mit Hilfe regionsspezifischer Spiritualität in dem Menschen als Individuum eine implementierte Umweltfühligkeit aufbauen kann, welche positiv nutzbar sind und von früheren Hochkulturen möglicherweise gezielter genutzt wurden als es in der Moderne denkbar ist. Hier kommt Wilber ins Spiel, der sich ja nach der radikalen Ablösung der Prämoderne durch die Moderne eine Postmoderne erhofft, in dem die Vorteile der sogenannten Aufklärung mit jenen der Spiritualität der davorliegenden Jahrtausende zu einem integral ganzheitlichen Dritten transzendiert werden. Wer sich mit den im "Maltes Chaos" der vergangenen Uwie-Ausgabe besprochenen Bücher beschäftigt hat, wird mir zustimmen können, dass Wilber gerade in Bezug auf das Menschliche Bewusstsein immer ausgefeiltere Modelle entwickelt und uns damit Zukunftsperspektiven liefert - nicht nur als Hoffnungsschimmer, sondern praktisch anwendbar und gerade für uns als UWIs höchst interessant. Diese Erkenntnisse mit Hinweisen auf uraltes Wissen sollten nicht ungenutzt bleiben, wenn es um Bereiche wie Umweltmanagement oder Umweltkommunikation geht. Mir scheint es nämlich so, dass mitunter im Fortschritt der Wissenschaften (fast) irreversible Fehler begangen wurden, mit denen die avantgardistischen Umweltwissenschaftler zu kämpfen haben, kurz: UWIs als "Feuerwehr" für die Folgen der innovativen Moderne, die Religiosität mit Brandrodung bekämpfte und vielerorts verbrannte Erde hinterlassen hat. Wobei natürlich nicht gesagt sein soll, dass die Moderne nur Übles brachte - und nebenbei war das davor auch nichts, was für uns heute erstrebenswert wäre. Doch wie ist es denn nun mit dem Wolf und den keltischen Clans?
Also mische ich jetzt noch Rupert Sheldrake mit seinen morphischen Feldern dazu. Die kamen mir unter, weil ich über Cleve Backster las, der 1966 in seinem Lügendetektorenforschungslabor seine Pflanze anschloss, um ihre Reaktion aufs Gießen zu prüfen und dabei viel mehr "Blumengefühle" entdeckte, als er je erwartet hätte. Und weil Pflanzen mitfühlend sein können und auch kommunizieren gibt es eine absonderlich anmutende Erklärung für den Bambus (Phyllostachys bambusoides), der weltweit exakt alle 120 Jahre blüht: Morphische Resonanz. Ein möglicher Zugang zu diesem merkwürdigen Bereich ist - nach der Loslösung der ständigen Reizüberflutung - m. E. die indigene Spiritualität der Region, womit ich den Bogen zu McIntosh zurückgespannt habe: "Celtic bards or poets were in touch with the equivalent of our songlines and dreamtime. A growing body of evidence, much as yet unpublished, points to their shamanic role and technique, including things like the use of tigh nâ alluis or Irish sweat lodges for dercad meditation, leading to a state of sitchain or mystical peace." Nun ist also nicht die Frage nach dem Huhn und dem Ei angebracht, sondern was zuerst weg war: Indigene Spiritualität, die auf Suffizienz und Nachhaltigkeit aufgebaut gewesen sei(wie manche Quellen suggerieren) oder die Natur als Ökosystemverbund. Da bereits durch die Christianisierung Europas eine ganze Menge an esoterischer Entwicklung unterdrückt wurde und die Industrialisierung den Glauben an die Technik und unseren derzeitigen Positivismus mit sich brachten ist es schwierig, im wissenschaftlichen Rahmen ernsthaft mit etwas umzugehen, was bestenfalls als Aberglaube abgetan wird. Wilber bezeichnet die von ihm in "Integrale Psychologie" vorgestellten Forscher als "Helden und Heldinnen[...], die ihre Studien oft in äußerst feindlich gesonnenen Umgebungen durchgeführt haben" und egal, was unsereins von Heldentum halten mag, sollten wir ebenfalls den Mut aufbringen, die Scheuklappen abzunehmen!
Ich will jetzt nicht mit Mondphasen anfangen (auch wenn wir alle wissen, dass der gute alte Erdtrabant nicht nur mit Ebbe und Flut zu tun hat), sondern einfach einen postmodernen Blick auf die Weisheiten der Prämoderne werfen. Wenn die Wahrheit der Wissenschaft eingepaukt wird "mit einem Eifer, der sich umgekehrt proportional zur Glaubwürdigkeit verhielt, dass der am meisten verbreitete Gedanke der menschlichen Geschichte und Vorgeschichte (nämlich die Existenz einer Art spiritueller Dimension) nur eine massive kollektive Halluzination war" (Wilber), dann sollten wir kritisch bleiben oder werden. Und da wir mittlerweile keinen Zweifel mehr daran haben, dass nicht alles käuflich ist, müssen wir versuchen, die Sinnleere zu füllen und unsere wissenschaftlichen Modelle auch als solche betrachten und nicht als festgesetzte Realität. Bloß weil wir uns an etwas gewöhnt haben, heißt das nicht, das nichts anderes existent wäre. Was wäre, wenn auch die Naturgesetze nur eine - wenn auch zugegebenermaßen eine der ältesten - Gewohnheit wäre?
Da sind wir nämlich bei Sheldrakes morphischer Resonanz, den morphischen Feldern (und den morphogenetischen): "Der Begriff der morphogenetischen Felder ist zwar in der Biologie weithin anerkannt, aber niemand weiß, was diese Felder sind oder wie sie funktionieren. Die meisten Biologen nehmen an, dass sie irgendwann einmal als normale physikalische und chemische Phänomene erklärt werden können. Aber das ist nichts weiter als ein Irrglaube. Nachdem ich mich jahrelang mit den Problemen der Morphogenese herumgeschlagen und über morphogenetische Felder nachgedacht hatte, war ich zu der Schlussfolgerung gelangt, dass es sich bei diesen Feldern nicht bloß um irgendwelche mechanistischen Standardprozesse, sondern um etwas wirklich Neues handelt. Dies war der Ausgangspunkt dafür, dass ich die Idee der morphogenetischen Felder entwickelte. [...] Dieser Begriff besitzt drei Hauptmerkmale:
Erstens: Morphogenetische Felder sind eine neue Art von Feld, die bislang von der Physik nicht anerkannt wird.
Zweitens: Sie nehmen Gestalt an, entwickeln sich wie Organismen. Sie haben eine Geschichte und enthalten ein immanentes Gedächtnis aufgrund des Prozesses, den ich morphische Resonanz nenne.
Drittens: Sie sind Teil einer größeren Familie von Feldern, den sogenannten morphischen Feldern." (Sheldrake)
Diese morphogenetischen Felder sind sozusagen die Architektenpläne, die aus ein und dem selben Basisprodukt mal Blatt, mal Blüte und mal Wurzel bei einer Pflanze werden lassen. Das Programm dazu wird verbreitet via morphische Resonanz. Wenn nun also Wolf und freier Clan mittels prämoderner Ganzheitlichkeit spiritueller Art via morphische Resonanz und morphische Felder verbunden sind, müssen wir UWIs doch davon Kenntnis haben und könnten daraus neue Lösungsansätze und Strategien entwickeln!
Deshalb fordere ich an dieser Stelle noch mal ganz vehement eine Berücksichtigung auch solcher aktueller Forschungsergebnisse und anstelle irgendwelcher Bachelors of Arts oder Sciences einen ganz UWI-interdisziplinaritätsgerechten ganzheitlichen "Integral Bachelor"! Wir sind nun mal keine geNORMALten uni(n)FORMATierten Studierenden, sondern alle, alle Individuen...
Wem das noch nicht genug zur Pflanzenseele war, dem empfehle ich http://homepages.compuserve.de/abswer/gesellschaft/b_pflanzen_backster.htm und auch allen anderen die guten, alten Internetsuchmaschinen. Und wenn Du dann schon im Netz bist, beteilige Dich doch einfach kurz an der innovativen interaktiven Uwie: Schreib uns Deine Meinung zu unserer Arbeit an uwie@yahoogroups.de und entscheide mit der Betreffzeile über die Zukunft von "Maltes Chaos":
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